ArcGIS und QGIS

Die beiden am weitesten verbreiteten GIS-Softwareprodukte sind bekanntlich das Open-Source-Programm QGIS und die ArcGIS-Familie von ESRI. Innerhalb unserer GIS-bezogenen Projekte bei Stadtkreation haben wir wegen unserer Fokussierung auf Open-Source-Software bisher ausschließlich QGIS verwendet. In meinem UNIGIS-Masterstudium in Salzburg sind jedoch viele Pflichtmodule auf die Verwendung der proprietären ArcGIS-Software ausgerichtet.

Eine der Fragen diesbezüglich zu Beginn des Studium war also nun: Bleibe ich bei der Fokussierung auf QGIS, beschränke also meine Arbeit mit ArcGIS auf das notwendige Minimum, um das Studium gut abschließen zu können – oder versuche ich, mich vertieft und über die Kernbereiche des Curriculums hinaus auch in ArcGIS einzuarbeiten? In Anbetracht der Tatsache, dass gerade von Seiten der öffentlichen Hand eher dem „ArcGIS-Riesen“ vertraut wird, habe ich mich für den Weg entschieden, auch möglichst viele ArcGIS-Kenntnisse aufzubauen.

Natürlich ist die Frage, welche Kunden wir bei Stadtkreation in Zukunft haben werden – denn direkte Aufträge der öffentlichen Hand waren bisher selten und die angefragten Leistungen für private Auftraggeber konnten und können wir bisher mehrheitlich mit QGIS lösen. Allerdings mussten wir auch schon Anfragen ablehnen, bei denen wir ArcGIS-Leistungen im Unterauftrag für andere durch die öffentliche Hand beauftragte Büros hätten erbringen müssen. Um hier in Zukunft bei spannenden Projekten keine Absagen mehr erteilen zu müssen und vor dem Hintergrund, dass gute ArcGIS-Kenntnisse auch eine viel größere Zielgruppe bei der Kaltakquise ermöglichen, wird Stadtkreation hier also wohl in Zukunft zweigleisig fahren.

Die Frage, die wir bei der Arbeit mit beiden Programmen aber im Hinterkopf behalten ist: Welche Aufgaben lassen sich tatsächlich mit der einen oder der anderen Software besser lösen bzw. welche Erweiterungen sind notwendig, um eine Funktion zu ergänzen, die jeweils nur die andere Software in der Basisversion umfasst? Und speziell für QGIS: Wie können wir eine Python- oder vielleicht sogar C++-Erweiterung für eine neue, beispielweise eine nur in ArcGIS vorhandene Funktion selber entwickeln, wenn sie bisher im Programm und in der großen Sammlung der Erweiterungen nicht vorhanden ist?

Wie bei jeder Software, in die man neu einsteigt oder mit der man bisher nur äußerst rudimentär gearbeitet hat, ist die Lernkurve bei ArcGIS (genauer: ArcGis Pro 2.9) extrem hoch – und das macht Spaß. So habe ich auch gleich ein wenig in die ESRI-Academy hineingeschnuppert, bei der es viele Kurse gibt, die für die UNIGIS-Studierenden kostenlos sind (oder anders gesagt: für die man bei der schon relativ üppigen Studiengebühr gleich mitbezahlt hat). Da man sich bestimmte ESRI-Trainingsblöcke als Wahlpflichtmodule anrechnen lassen kann, werde ich das wohl tun und mich da Stück für Stück durcharbeiten. Die ersten durchgearbeiteten Einheiten aus dem Block „Visualization and Cartography“ habe ich am vergangenen Wochenende durchgearbeitet und sie geben mir das Gefühl, dass das für mich sehr sinnvoll ist.

Allerdings hat nun erst einmal das erste Pflichtmodul „Einführung in die Geoinformatik“ Vorrang, das diese Woche gestartet ist und auch auf die Verwendung von AcGIS Pro ausgerichtet ist. Nach den ersten diesbezüglichen Lektionen in der ESRI Academy (unter anderem Getting Started with ArcGIS Pro) fühlt es sich für mich derzeit so an, als sei der Begriff over-visualized hier angebracht (hab gerade nicht nachgeschaut, ob es den gibt): Die Benutzeroberfläche ist grafisch mit Symbolen überfrachtet, deren Sinn ich in vielen Fällen bezweifle, weil sie eh nicht selbsterklärend sind (und ständig dieses Mantra „[…] a ribbon-based application“, als ob dieser platzverschwendende Windows-Stil das Non plus ultra wäre). Die 3D-Darstellung von Daten, die nicht tatsächlich räumlich dreidimensional sind (mit einem ausgewählten Kriterium als z-Achse) musste ich bei der Erstellung eigener Projekte auch noch nie anwenden, aber sie scheint gerade in der ArcGIS-Welt ein beliebtes Werkzeug zu sein. Wie ich es erwartet hatte, muss sich mein Rechner hier ganz schon abrackern. Ich vermisse Tastenkürzel und die Möglichkeit, Dinge in einer Befehlszeile einzugeben. Aber vielleicht versteckt sich das ja irgendwo. Ich will es nicht schlecht machen, schließlich komme ich soweit ausgezeichnet klar – und vielleicht werden ArcGIS Pro und ich ja auch noch beste Freunde (noch sind wir auf dem Niveau von frischen Kollegen, die sich zwar zunächst gut verstehen, aber erstmal beschnuppern).

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